Corona-Pandemie spielt eine große Rolle:

Handels-Trends 2020

Die Corona-Pandemie hat in den letzten Monaten viele Bereiche verändert – vor allem aber den Handel. „Ohne Omnichannel keine Zukunft“, so das unmissverständliche Fazit eines Artikels1, den das E-Commerce-Magazin Ende April 2020 zu dem Thema veröffentlicht hat. In den Augen der Redaktion werden die Vorteile, welche digitale Kanäle dem Handel bieten, in der aktuellen Situation besonders deutlich. Daraus geht hervor, dass Omnichannel-Anbieter durch digitale Kanäle bis 2021 ein deutliches Umsatzplus generieren werden. Welche Entwicklungen sind Trendforschern zufolge langfristig wichtig für den Handel? Wir haben aktuelle Prognosen von Zukunftsforschern, Fachredakteuren und Handels-Experten für Sie zusammengefasst.

Schneller Kanalwechsel ist entscheidend

Händler, die ihre digitalen Kanäle derzeit gut nutzen, könnten das Umsatzwachstum von Unternehmen ohne E-Commerce bis 2021 um 30 Prozentpunkte übertreffen. Davon geht laut dem E-Commerce-Magazin das Consulting-Unternehmen Gartner aus1. Gartner zufolge können Anbieter mit „robustem, skalierbarem digitalem Handel“ die Kanäle schnell wechseln. Das macht sie für die Beratungsagentur nicht nur in der aktuellen Situation widerstandsfähiger gegen negative Auswirkungen, sondern auch langfristig.

Die Krise als Omnichannel-Treiber?

Die Redaktion des E-Commerce-Magazins betont, dass drei Viertel der sogenannten Millennials die Mischung aus Online-Shop und physischem Geschäft als „ideale Kombination für den Einzelhandel“ sehen. Die Corona-Pandemie werde diese Überzeugung weiter verstärken – und zwar nicht nur bei dieser Zielgruppe: „Über alle Altersgruppen hinweg werden sich die Kunden noch stärker daran gewöhnt haben, viele ihrer Einkäufe online zu tätigen.“ Das schließt auch die Option Click-and-Collect ein, die in diesen Tagen offenbar weiter an Akzeptanz gewinnt.

Digitale Tools mit neuem Stellenwert

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf Handel und Konsum? Das Zukunftsinstitut in Frankfurt am Main ist dieser Frage ebenfalls nachgegangen. Dem Institut zufolge haben in der jüngeren Vergangenheit gerade inhabergeführte kleine Läden digitale Tools für sich entdeckt2. Sie haben mit ihnen eine „neue Nähe“ zu ihrer Kundschaft aufgebaut – zum Beispiel durch Angebote wie diese:

  • Beratungen via WhatsApp
  • Präsentationen auf Instagram
  • Terminabsprachen via Facebook
  • Live-Webinare per Teams und Zoom

Technologische Innovationen sowie Personalisierung durch Automatisierung und digitale Tools „haben ihre Stärken gezeigt (…) und Menschen nicht voneinander distanziert“, so das Zukunftsinstitut. Die Experten gehen deshalb davon aus, dass Verbraucher Technologie zukünftig noch stärker als „Hebel für menschliche Begegnungen“ verstehen werden.

Heute Touch Points, morgen Trust Points?

Die Krise scheint einen weiteren Trend zu befeuern, der sich seit Jahren abzeichnet. Marken gewinnen für Verbraucher an Bedeutung – als Ankerpunkte, die Orientierung bieten und mit ihnen gemeinsame Vorstellungen von Sinn und Werten teilen. Die Prognose des Zukunftsinstituts: Nähe und Vertrauen spielen im Handel zukünftig eine zentrale Rolle, aus Touch Points werden „Trust Points“. Der Online-Marketing-Spezialist Criteo zieht einen ähnlichen Schluss: In seiner Liste mit 2020er Top-Trends für Werbetreibende nennt das Unternehmen an erster Stelle den Punkt Vertrauen3. Criteo sieht darin „in der nächsten Dekade“ einen entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen.

Handel als soziale Plattform für Markenerlebnisse

Das Thema Digitalisierung bildet in den Aussagen zahlreicher Trendforscher einen roten Faden. Auch darin scheinen sich viele von ihnen einig zu sein: Händler sollten digitale Kanäle und Tools als Möglichkeit sehen, Nähe und Vertrauen zu ihren Kunden aufzubauen. Das Magazin Inside Business etwa gibt Händlern die Empfehlung, sich als „soziale Plattform“ zu verstehen, die Markenerlebnisse für Konsumenten möglich macht4. Um hier einen gewissen Mehrwert zu bieten, sollten Händler den Kunden mehr mit der Marke interagieren lassen, um so für den nötigen Unterhaltungs-Faktor zu sorgen. Dies funktioniert beispielsweise über In-Store-Technologien wie interaktives An- und Ausprobieren oder Augmented Reality, Online-Events oder Webinare, die Konsumenten dabei helfen, den Alltag zu vereinfachen4.

Neue berufliche Perspektiven

Welche Bedeutung hat die aktuelle Situation langfristig für den Handel? Offenbar beschleunigt die Corona-Pandemie Entwicklungen, die sich bereits vorher abgezeichnet haben. Folgt man Meinungen wie der des E-Commerce-Magazins, dann gewinnt der Trend Omnichannel in diesen Tagen noch einmal merklich an Bedeutung hinzu. Das Wachstum im digitalen Bereich wiederum eröffnet Chancen für qualifizierte Kräfte – auch Telefónica Deutschland will im Online-Bereich weiter wachsen und benötigt dafür zukünftig neue digitale Talente.

Quellen:

1 https://www.e-commerce-magazin.de/corona-pandemie-warum-die-krise-der-weckruf-fuer-den-stationaeren-handel-ist/

2 https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/konsum-nach-corona-die-macht-des-miteinander/

3 https://www.criteo.com/de/insights/die-7-wichtigsten-digitalen-werbetrends-fuer-2020/

4 https://www.wlw.de/de/inside-business/aktuelles/die-wichtigsten-handelstrends-2020